Veranstaltung am Mahnmal
Mit bewegenden Reden haben Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns und der Dortmunder Pfarrer Friedrich Stiller gestern Abend der jüdischen Opfer der Pogromnacht vor genau 78 Jahren gedacht. Und dabei gemahnt: Auch heute darf nicht weggeschaut werden.
Viele Lüner sind Regen und niedrigen Temperaturen zum Trotz am Abend zur Kranzniederlegung an der ehemaligen Synagoge an der Stadttorstraße gekommen und dann gemeinsam weiter zur Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die jüdischen Opfer der Pogromnacht am Lippeufer gegangen.
Dort betonte Kleine-Frauns, wie wichtig es sei, die Erinnerung wach zu halten. „Heute ist die das, was vor 78 Jahren passiert ist, für viele unvorstellbar“, meinte Kleine-Frauns.
Damals war unter anderem das Mobiliar der Synagoge angezündet worden, das Ende der jüdischen Gemeinde in Lünen. Auch heute dürfe nicht weggeschaut werden: „Wir müssen die Stimmen derer hören, die sich bedroht fühlen“, erklärte der Bürgermeister. Als positives Beispiel für gelebte Erinnerungskultur nannte er etwa die Auschwitz-Fahrten des Lippe Berufskollegs.
Friedrich Stiller, Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Kirchenkreis Dortmund, schlug von der Erinnerung an die Pogromnacht ebenfalls den Bogen in die Gegenwart. Er erläuterte, wie Neonazis in Dortmund agieren und forderte ein Verbot der Partei Die Rechte. „Wir müssen die freiheitliche Gesellschaft verteidigen, auch gegen Parteien, die Ressentiments schüren“, sagte Stiller.
Greifbar
Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums bereicherten die Gedenkveranstaltung indes mit einer Aufführung auf Basis des Films „Die Kinder der Turnstunde“ des Lüner Filmemachers Michael Kupczyk. Sie stellten sich auf wie die jüdischen Kinder auf dem Foto, deren Leben Kupczyk im Film nachspürt. In kurzen Wortbeiträgen sprachen sie aus den Perspektiven dieser Kinder – und machten so greifbar, was damals in ihnen vorgegangen sein könnte.
Video zum Beitrag des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums:



